8. Mai 2013

Selbst ein Marsch von 10 000 Li beginnt mit dem ersten Schritt, sagt ein chinesisches Sprichwort. Mein langer Marsch zum Modelabel MAY YOU BE HAPPY begann im Sitzen; auf einem Meditationskissen, im Zen-Kloster Subong in Hongkong. Am 10.November 2009 saß ich nachmittags auf meinem Kissen und versuchte, die Augen auf zu halten. Es war der dritte Tag eines einwöchigen Meditationretreats. Durch die geschlossenen Fenster drang der Verkehrslärm von Causeway Bay als monotones Rauschen in die Buddhahalle und mischte sich mit dem monotonen Rauschen der Klimaanlage. Ich war etwas schläfrig. Mein Blick wanderte zu der großen goldenen Statue des Buddha am Kopfende der Halle. Da kam mir eine Idee.

Sie Erleuchtung zu nennen wäre blödsinnig. Und ob es eine gute Idee war, muss sich erst noch herausstellen. Tatsächlich machte mich die Idee jedoch schlagartig munter. Und ich tat, was man (wie auch dösen) während einer Zen-Meditation nicht machen sollte: Ich begann der Idee hinterherzujagen, war begeistert, türmte auf die Idee neue Ideen, und hatte, als ein hölzernes Klack-Klack-Klack das Ende der Meditationsrunde anzeigte, wenn vielleicht keine Vision, dann doch ein Bild im Kopf: ein T-Shirt mit dem Aufdruck MAY YOU BE HAPPY.

Und was war daran nun so toll? Ein T-Shirt! May you be happy! Nichts Besonderes: Jeder hat ein T-Shirt. Und May you be happy, der Wunsch, dass alle Wesen glücklich sein mögen, ist fast so etwas wie die Geschäftsgrundlage für Buddhisten, die ihre Praxis ernst nehmen.

Doch nun machte ich aus Zwei…Eins: ein T-Shirt mit der Botschaft „Mögest Du glücklich sein“. Und schuf damit die Grundlage für eine Geschäftsidee: Ein Modelabel mit einer humanen, ja, spirituellen Geschäftsphilosophie. Ein Modelabel, das kommerziell und Gewinn orientiert arbeitet. Das aber die Gewinne nicht zur Schaffung von Reichtümern bei einigen wenigen nutzt, sondern die Gewinnen an diejenigen weitergibt, die Hilfe brauchen: Menschen, Tiere, „alle Wesen“, wie es im Metta-Sutra heißt.

Mit der Idee, das Modelabel MAY YOU BE HAPPY zu gründen, hatte ich mich zugleich aus einer selbstgebauten Zwickmühle befreit. Nach 28 Jahren als Journalist wollte schon längst beruflich „auf zu neuen Ufern“ – und etwas Sinnvolles tun: den beruflichen und spirituellen Weg zusammenführen.

Heute, ein Jahr nach der eigentlich vertanen Meditationsrunde, stehe ich noch immer ziemlich am Anfang des Weges. Doch die ersten Schritte sind gemacht: tastend, stolpernd, langsam, langsam. Oft viel zu langsam für mich! Geduld ist eine der 10 000 Dinge, die ich auf meinem Weg lerne. Zum Glück gehe ich meinen Weg nicht allein. So unterstützen mich eine Modedesignerin und eine Producerin beim Entwerfen und Produzieren einer Musterkollektion für die contemporary shirts. Und ein Webdesigner arbeitet an dem Online-Shop, über den die Kollektion von MAY YOU BE HAPPY ab dem kommenden Frühjahr vor allem vertrieben werden soll. Ich kann es kaum erwarten, auch diesen Schritt zu gehen.

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